LESEABENTEUER Deutsch · Klasse 5Etwa 20 Minuten · Ohne Zeitdruck

HALLOWEEN · LESEN & VERSTEHEN

Die Spur im Kürbislicht

Lies zuerst die Geschichte. Löse danach die zehn Fragen und suche die Belege im Text.

DEIN LESETEXTEine erfundene Geschichte

Ein Geräusch hinter der Tür

1 Ein ungewöhnlicher Plan

Am letzten Nachmittag im Oktober roch der Flur der Schule nach Kürbissuppe. Die Klasse 5b hatte ein Halloween-Lesefest vorbereitet. Auf den Fensterbänken standen Kürbisse mit kleinen elektrischen Lichtern. Draußen rüttelte der Wind an den kahlen Zweigen. Mina rückte ihren Hexenhut zurecht und stellte eine Schale mit Apfelstücken auf den Tisch. Ihr Freund Jona trug einen schwarzen Umhang, der ihm ständig zwischen die Füße geriet. Normalerweise wäre er jetzt längst zu Hause gewesen. Doch heute durften die Kinder bis zum frühen Abend in der Schule bleiben und ihren Familien selbst geschriebene Gruselgeschichten vorlesen.

2 Die verschwundene Kiste

Für das Ende des Festes hatte die Klasse kleine Lesezeichen gebastelt: Fledermäuse aus Papier, jede mit einem freundlichen Spruch. Sie lagen in einer orangefarbenen Kiste in der Bücherei. Als Mina die Kiste holen wollte, war der Platz neben dem Bücherregal leer. Dafür lag auf dem Boden ein schmaler Streifen blauen Papiers. „Vielleicht hat jemand unsere Überraschung versteckt“, sagte Jona. Er grinste zunächst, doch dann hörten beide ein dumpfes Poltern aus dem Nebenraum. Die Tür war geschlossen. Dahinter schabte etwas über den Boden.

3 Erst einmal zuhören

Jona machte einen Schritt zurück. „Das klingt nicht nach Papierfledermäusen.“ Mina musste lachen, obwohl ihr selbst etwas mulmig war. Statt sofort die Tür aufzureißen, blieben sie stehen und lauschten. Zwischen zwei Windstößen hörten sie ein leises Klirren. Dann wurde es still. Mina bemerkte, dass unter der Tür Licht hervorschien. „Ein Gespenst braucht doch keine Lampe“, flüsterte sie. Jona antwortete nicht. Er betrachtete den blauen Papierstreifen und erinnerte sich: Am Vormittag hatte Herr Yilmaz, der Hausmeister, aus genau solchem Papier Schilder für das Fest ausgeschnitten.

4 Eine offene Frage

Die beiden gingen zurück zu ihrer Deutschlehrerin Frau Weber. Sie erzählten ihr von der fehlenden Kiste und den Geräuschen. „Gut, dass ihr Bescheid sagt“, meinte sie. „Wir schauen gemeinsam nach.“ Auf dem Weg trafen sie Herrn Yilmaz. Er hatte einen Schlüsselbund in der Hand und einen blauen Papierrest am Ärmel. Jona wollte schon rufen: „Sie haben die Kiste genommen!“ Doch Mina fragte nur: „Wissen Sie, wo unsere Lesezeichen sind?“ Herr Yilmaz nickte. „Kommt mit. Ich wollte euch gerade suchen.“

5 Das Rätsel wird kleiner

Im Nebenraum stand die orangefarbene Kiste auf einem Tisch. Daneben lagen mehrere feuchte Tücher. Herr Yilmaz erklärte, dass in der Bücherei ein Fenster offen gestanden hatte. Regen war hereingeweht und hatte den Boden neben dem Regal nass gemacht. Deshalb hatte er die Kiste in den trockenen Nebenraum getragen. „Die Lesezeichen sind zum Glück trocken geblieben“, sagte er. Das Poltern war von einem umgekippten Eimer gekommen. Beim Aufwischen hatte er außerdem einen Stuhl über den Boden gezogen. Und das Klirren? Herr Yilmaz schüttelte lächelnd seinen Schlüsselbund.

6 Eine Spur ist kein Beweis

Jona wurde rot. „Ich dachte, jemand wollte uns einen Streich spielen.“ Herr Yilmaz zeigte auf den Papierrest an seinem Ärmel. „Manchmal sieht etwas verdächtig aus, obwohl es eine ganz einfache Erklärung gibt.“ Mina hob die Kiste hoch. Auf dem Rückweg sagte sie: „Der Papierstreifen war schon eine Spur. Aber er hat uns nicht verraten, warum die Kiste weg war.“ Jona nickte. Er war froh, dass Mina zuerst gefragt hatte. Gemeinsam beschlossen sie, ihre Entdeckung noch vor Beginn des Vorlesens der Klasse zu erzählen, damit niemand weiter nach der Kiste suchte.

7 Gruseln mit Rücksicht

Als die Familien kamen, wurde es lebhaft. Zwei Kinder wollten die Gäste mit einem lauten Schrei hinter der Eingangstür erschrecken. Mina zeigte auf Jonas kleine Schwester, die sich an der Hand ihres Vaters festhielt. „Vielleicht findet nicht jeder das lustig“, sagte sie. Die Klasse einigte sich darauf, die Gäste freundlich zu begrüßen. Wer eine besonders gruselige Geschichte hören wollte, konnte an den Tisch mit dem violetten Schild gehen. Am Tisch mit dem gelben Schild gab es lustige Geschichten. Jonas Schwester wählte den gelben Tisch und setzte sich schließlich ganz entspannt auf einen Stuhl.

8 Eine neue Geschichte

Zum Abschluss verteilten Mina und Jona die Lesezeichen. Auf Jonas Fledermaus stand: „Mut beginnt manchmal mit einer Frage.“ Er las den Satz zweimal und lächelte. Dann schlug er sein Geschichtenheft auf. Unter seine fertige Gruselgeschichte schrieb er eine neue Überschrift: „Das Geheimnis der verschwundenen Kiste“. Diesmal sollte kein Gespenst darin vorkommen. Spannend konnte die Geschichte trotzdem werden, fand er. Als sie später das Schulgebäude verließen, klapperte irgendwo ein Fenster. Jona blieb kurz stehen. Dann sagte er: „Das schauen wir uns lieber genauer an.“